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Digitale Wahlen


Meiner Meinung nach ist es absolut wünschenswert, die staatliche Verwaltung effizienter zu gestalten, zu modernisieren und ihre Kosten zu senken. Wohl jeder hat sich schon einmal in einer Situation befunden, in der er dringend etwas bei einer Behörde erledigen musste und sich nur wundern konnte, wie kompliziert und zeitaufwendig das ist – und wenn er zudem Pech hatte und an den falschen Beamten geriet, wie demütigend es ist, ihm ausgeliefert zu sein.
Volební proces
Die Einführung von E-Government-Elementen, die Möglichkeit, die Steuererklärung elektronisch über das Internet einzureichen, auf diese Weise Kindergeld zu beantragen oder was auch immer, würde sicherlich vielen Menschen gefallen; außerdem würde dadurch die Notwendigkeit entfallen, mit einem Beamten zu verhandeln, der ebenfalls fehlbar, dumm oder böswillig ist und es einem ordentlich schwer machen kann. Ich habe ein Sprichwort: Kein Mensch ist intellektuell oder moralisch so weit, dass er über einen anderen Menschen gegen dessen Willen entscheiden könnte. Aus dieser Sicht sind der Staat und jede Regierung immer nur ein notwendiges Übel; daher ist es meiner Meinung nach sehr wünschenswert, den menschlichen Faktor, der nur allzu leicht korrumpierbar ist, so weit wie möglich aus dem Entscheidungsprozess über konkrete Menschen und ihre Bedürfnisse auszuschließen – wir alle kennen diese Sprüche über den Trottel, der ein Amt bekommen hat.
Und hier kommen wir zu den Vorschlägen zur Digitalisierung von Wahlen; auf den ersten Blick scheint das eine gute Idee zu sein. Die Notwendigkeit, Stimmzettel herzustellen und zu verteilen, würde entfallen, es müssten keine Wahlkommissionen organisiert werden, niemand müsste sich von zu Hause zur Wahl schleppen, und es wäre definitiv viel kostengünstiger. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Umsetzung dieser Idee viel komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. An erster Stelle stehen Sicherheitsprobleme; bis heute ist es nicht gelungen, absolut zuverlässig sicherzustellen, dass das Wahlsystem nicht von Hackern angegriffen werden kann. Dieses Problem zeigte sich sehr deutlich in der Schweiz, wo die Einführung von Online-Wahlen ganz konkret in Erwägung gezogen wird. Nach Kritik gerade an der Sicherheit des gesamten Systems und nachdem es einer Gruppe angeheuerter Hacker gelungen war, trotz aller von der Regierung auferlegten Einschränkungen in das System einzudringen und es zu manipulieren, entstand in der Schweiz jedoch quer durch das politische Spektrum eine Initiative, die ein verfassungsmäßiges Verbot elektronischer Wahlen fordert.
Volební urna
Und so bleibt Estland vorerst das einzige europäische Land, in dem man über das Internet wählen kann. Obwohl es bisher katastrophale Ausfälle vermeiden konnte, ist das ursprüngliche Ziel des gesamten Projekts, nämlich die Steigerung der Wahlbeteiligung, bislang nicht erreicht worden.